Basta“ sagte Ex-Bundeskanzler Schröder und entschied über die Köpfe seiner Minister hinweg. Die Führungskraft hat die Kraft der Führung inne, dh. die Verantwortung, Weichen zu stellen, zu entscheiden. Hinter der Kraft steckt auch Macht. Die Macht qua officio, vom Range her, Richtungen vorzugeben. Häufig werden jedoch diese Entscheidungen unüberlegt, voreilig getroffen. Das hat Folgen für „Hard- und Software“.

Die Einsamkeit einer Führungskraft

Leider weitverbreitet ist hierzulande nach wie vor die Top-Down-Herrschaft. MitarbeiterInnen erwarten „von oben“ klare Ansage. Der wird dann teils widerwillig, teils brav gefolgt. Die Ergebnisse sind oft wie vom Chef/In nicht anders erwartet. Anderenfalls schärft die Führungskraft die Ansage nochmals nach, durch entweder widersinnige einsilbige Wiederholung in Verbindung mit Ausdruck seines / ihres Unbehagens. Irgendwie kommt am Ende eine meist akzeptable Lösung aus diesem Top-Down-Manöver heraus. Alle Beteiligten an diesem Prozess sind einigermaßen zufrieden. Einigermaßen halt. Mehr nicht.

Führungskräfte sitzen nicht selten in ihrem Elfenbeinturm, kommunizieren nach draußen einen kommunikativen Führungsstil und fühlen sich dabei aber denkbar einsam. „Ohne meine klare Ansage passiert halt nix“, so die häufig vernommene, an Resignation grenzende Äußerung einer Führungskraft mir gegenüber. Um mehr Verve, mehr Effizienz in das Geschehen am Arbeitsplatz zu bringen, wird leider allzu oft das unreflektierte „denen muss ich mal richtig Feuer unter den Allerwertesten machen, anders geht´s halt nicht“ tagtäglich praktiziert. Und die Vereinsamung nimmt weiter ihren Lauf. Was muss sich ändern, damit sowohl die Führungskraft als auch der Experte, der die angewiesene Arbeit verrichten soll, glücklicher, dynamischer und letztendlich zufriedener arbeiten kann?

Das neue Denken einer Führungskraft

Was helfen hochkarätige Führungskräfteseminare und der rege Austausch eben dort mit Männern und Frauen im gleichen Boot, wenn von den Seminarinhalten rein nach Statistik nur max. 30% der Erkenntnisse mit nach Hause, mit in den Alltag genommen werden? Veränderungen  bei und an uns allen sind vergleichbar mit dem Verrücken eines Panzerschrankes. Alleine diese Verräum-Aktion zu bewältigen, ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Es fällt schwer, seit Jahren eingetretene Pfade zu verlassen und bereit für neue Wege zu sein. „Der Wille jedoch versetzt Berge“. Ein Glaubenssatz, der sicherlich gut bekannt und anerkannt ist. Dagegen steht: „der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach“. Es lohnt sich, zurück am Arbeitsplatz, die im Seminar gewonnenen und angenommenen Erkenntnisse gebetsmühlenartig täglich zu reflektieren und rekapitulieren. Was muss sich, was muss ich, tatsächlich verändern, um mehr Zugang, Nähe und am Ende Überzeugungskraft in meiner Mannschaft zu erreichen? Es hilft an dieser Stelle, der aus Kindertagen bekannte, Erich Kästner, der da sagte: „Es gibt im Leben nichts Gutes, es sei denn, man tut es“.

Vom Denken zum Handeln einer Führungskraft

Man nehme: die mehrmals reflektierten Erkenntnisse aus dem Führungskräfteseminar, oder dem Wissen aus Büchern, oder gar nur den eigenen Experimentiergeist.  Dieser Essenz sind hinzuzufügen:

  • eine gute Portion Selbstvertrauen
  • eine noch größere Portion Vertrauen in die Mitarbeiter
  • reichlich Fehlerfreundlichkeit für sich und Mitarbeiter
  • eine gedankliche Neuordnung der Kommunikation
  • den geeigneten Rahmen, die Mannschaft bewusst zu talentierten Experten auszurufen
  • „die klare Ansage“ so  formulieren, dass SIE als Führungskraft jederzeit und von allen verstanden werden
  • den „Spielplatz“  eröffnen, dass jeder von Ihnen anerkannte Experte sich mit größter Fehlerfreundlichkeit und seinen Talenten ins Geschehen ab jetzt einbringen darf
  • die anfängliche Hürde nehmen, dass Ihr Team zunächst ungläubig diesen „Change“ anzweifeln wird. Hier ist Überzeugungskraft, Ihre Authentizität das A&O
  • „Umrühren und fast fertig!“
  • Ziehen Sie sich mehr und mehr – nicht abrupt – aus dem „Kleinkram“ raus und widmen Sie sich intensiv Ihrer eigentlichen Aufgabe: der Führung: Klarheit, Vision, Zielvorgabe.

Die neue Freiheit einer Führungskraft

Sie ernten: Motivation, Engagement und nachhaltig positive Ergebnisse. Sie werden dauerhaft anerkannt und sind ein Primus inter pares. Sie haben es sich verdient, mit mehr Freiheit, einem meist freien Kopf sich ihrer eigentlichen Aufgabe als Führungskraft zu widmen. Sie steigern ihren internen „Marktwert“, arbeiten zufriedener und erweitern deutlich ihren Handlungsraum durch die offene Kommunikation mit ihren Mitarbeitern.

Beitragsbild: Copyright genehmigt Adobestock

Porträt_GeorgGeorg W. Moeller

Über den Autor
Georg-W. Moeller ist Führungskräftecoach und Spezialist für Unternehmernachfolge. Seine Website: gwm coaching plus: Motivationscamp